Satire Klasse 10:

Mein erster Arbeitstag

Normalerweise hat man Angst vor seinem ersten Arbeitstag. Aber ich war eigentlich ziemlich gelassen, allerdings als mein Vater nach sechs Stunden aufgeregtem Warten , um 7:30 Uhr den Motor von unserem in die Jahre gekommenen Opel starten wollte, ging nichts mehr. Eigentlich kein Wunder bei einem Auto, das nur noch aus der Karosserie bestand und aus umgebauten Bierkisten, die als Sitze dienen sollten. Er schraubte am Motor und ich wartete und wartete. Zu spät kommen, dachte ich mir, was soll´s, aber irgendwie konnte ich es nicht mit mir vereinbaren.

So nahm ich mein Fahrrad mit Düsenantrieb bei Bergabfahrten. Eigentlich sind es nur die Bremsen, die mit Kettenfett eingeschmiert wurden. So schwang ich mich mit Schwung auf den Sattel. Der Berg bis an die Hauptstraße verging wie im Flug, da ich mit gefühlten 80.000 km/h die bestens sanierte Kopfsteinpflasterstraße hinunterrauschte. Als ich dann endlich im 500 km weiter entfernten Dorf „Weitweg“ ankam und die Schreinerei sah, wurde mir klar „Fuck, ich bin zu spät“.

Ich ging hinein und wurde von meinem Chef mit den Worten „Du bist zu spät“ empfangen. Ein Mitarbeiter kam um die Ecke und rannte gegen mich. Der heiße, wunderbar riechende Kaffee, den er in der Hand hielt, schwappte über. Zum Glück schwappte er nur auf meinen Oberschenkel. Ein warmes, nasses Gefühl überkam mich und ich war sofort wieder entspannt. Ich entschuldigte mich vielmals und hoffte, dass es nicht noch schöner werden würde, denn sonst sah ich die Gefahr, dass ich die Schule abbreche und anfangen würde, hier zu arbeiten. Deutsche Handwerker brauchen ein Frühstück, denn sonst ist der Arbeitstag nicht zu überstehen. Zwei Pils, zwei Korn, zwei Jägermeister und der Chef sägte aber nicht das Holz für den nächsten Auftrag. Nein, er schlief tief und fest. Nachdem kam bekanntlich das Mittagessen. Auch etwas, das für Außenstehende komisch ist, es ergibt Sinn, denn je mehr Pausen man macht desto mehr verdient man. So ging es in die zweite Runde. Zwei Pils, zwei Korn, zwei Jägermeister und der Arbeitstag konnte weitergehen. Um 16 Uhr war es soweit, das erste Brett wurde geschnitten und der erste Finger rollte. Naja, sowas passiert, auch wenn man mit den neusten Sicherheitsvorrichtungen arbeitet. Das große Trauern brach aus, als der Chef verkündete, dass der Arbeitstag abgebrochen wird. Alle anderen und ich waren zutiefst bestürzt, denn das hieß, dass das gemeinsame Abendessen ausfallen würde. Jeder hatte seine eigene Methode damit umzugehen. Das Einzige, was ich nicht wollte, war nach Hause zu gehen. Zu Hause, nach langem Rückweg, legte ich mich in mein Bett und weinte mich in den Schlaf.

Von Maximilian Kahlbetzer (Klasse 10.2)


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