Unser neuer Kollege hat alles im Blick

Jay Klasse

 

 

Jay

Liebe Eltern,

die Hundgestützte Pädagogik in der Schule (HuPäSch) hält momentan Einzug in alle Schulformen. Während man den „Schulhund“ früher nur aus Förder- und Grundschulen kannte, haben inzwischen eine beträchtliche Zahl von Realschulen Plus und auch Berufsbildenden Schulen einen „Schulhund“ im Einsatz

Was ist ein Schulhund?

Ein Schulhund ist nicht Eigentum der Schule, sondern es ist ein Hund, der in einer Schule als ausgebildeter „Schulhund“ unterstützend pädagogisch tätig ist. Dieser Hund gehört einer Lehrperson der Schule und tritt innerhalb der Schule immer nur gemeinsam mit dieser im Team auf. Hund und Lehrperson werden entsprechend als sogenanntes „Mensch-Schulhund-Team“ ausgebildet. Vor der Ausbildung wird der Hund auf seine Eignung als Schulhund getestet.

Warum einen Schulhund?

Wissenschaftliche Studien zeigen: Kinder und Jugendliche, die mit Tieren aufwachsen sind meist verantwortlicher, empathischer, sozial kompetenter und können besser lernen[1]. Hunde haben nachgewiesenermaßen psychologische Wirkungen auf ihre menschliche Umgebung wie z. B. die Förderung von Selbstwert und Wohlbefinden, das führt zu einer entspannenden und angstlösenden Reaktion. Sie tragen daher zu einer besseren Atmosphäre in der Lerngruppe bei, indem sie Vertrauen aufbauen und Sicherheit vermitteln. Da Hunde als Rudeltiere den Menschen so annehmen wie er ist, ohne auf Äußerlichkeiten oder intellektuelles Wissen zu achten, fühlt der Mensch sich bestärkt und akzeptiert. Gerade das Agieren auf einer nonverbalen Ebene schafft einen idealen Gegenpol zu der notwendigerweise verbal geprägten Lernumgebung. Durch den Hund bekommen Schüler eine andere Rolle, über diese Motivation können Fortschritte im Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten erzielt werden.

Da Hunde Stimmungen wesentlich besser wahrnehmen können als Menschen, fördert ihre Anwesenheit gerade ruhige und schüchterne Kinder. Beim Streicheln des Hundes wird beim Menschen das auch als „Kuschelhormon“ bekannte Oxytocin ausgeschüttet, was beim Menschen nachweislich zur Stressminderung und Blutdrucksenkung und daher zur Entspannung beiträgt. Im heutigen, modernen Schulsystem können Hunde einen wichtigen Baustein im Bereich der individuellen Förderung und dem Stressabbau darstellen.

Unterschiedliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Hunde eine wertvolle Hilfestellung bei der Wahrnehmung der eigenen Person sind. Mit Hunden kann der Mensch Verhalten nicht diskutieren, sie spiegeln es einfach und kehren es um. So kann empathisch erreicht werden, die Rechte anderer Lebewesen zu erkennen und zu respektieren.

Andererseits hebt es das Selbstbewusstsein des Schülers ungemein, wenn der Hund auf Anweisung kleinere Befehle ausführt oder sogar neue Tricks erlernt. Wenn der Schüler für den Hund sorgt, indem er den Wassernapf bereitstellt oder die Decke holt, lernt er Verantwortung für ein Mitgeschöpf zu übernehmen.

Schulen mit Schulhund?

Vor etwa zehn Jahren begann an Schulen die pädagogische Arbeit mit dem „Schulhund“. Inzwischen sind deutschlandweit 393 Schulen registriert, die erfolgreich einen Schulhund einsetzen und sich der Selbstverpflichtung angeschlossen haben. Diese Selbstverpflichtung bedeutet, dass sich Schulhundführer und Schule verpflichten, die geforderten Hygienestandards einzuhalten und regelmäßig an Fortbildungen im Bereich HuPäSch durchzuführen. Es gibt jährlich eine Schulhundkonferenz, bei der sich Kollegen mit Schulhunden austauschen können.

Voraussetzungen Hund und Ausbildung

Unsere Schulhund Jay ist ein schwarz-weißer Australian Shepherd und wird im März zwei Jahre alt. Er lebt seit Welpenalter an mit mir und meinen anderen zwei Hunden zu Hause. Jay wird aktiv im Hundesport geführt, startet regelmäßig an Turnieren, nimmt an Prüfungen teil und hat im November 2018 die Begleithundeprüfung bestanden.

Jay wird mich ab Ende Januar als „Lehrer mit vier Pfoten“ drei bis vier Mal die Woche in meinen Unterricht begleiten. Er stammt aus einem Wurf aus der Schweiz, bereits dort lernte er den Umgang mit Kindern, Hunden, Pferden und Katzen usw.

Seit November 2018 nehme ich mit Jay an der Schulhund-Ausbildung in der „Hundeschule Rhein Ahr“ teil. Diese Ausbildung beinhaltet zahlreiche Praxis- und Theorieseminare und dauert ca. sechs Monate. Voraussichtlich werden Jay und ich dementsprechend im Schuljahr 2018/19 als voll ausgebildetes Schulhund-Team an Hocheifel Realschule Plus arbeiten können. Bis dahin befindet sich Jay sozusagen noch im „Referendariat“.

Wie sieht der Alltag mit Jay dann voraussichtlich aus?

Der Schulhund begleitet den Halter drei bis vier Mal in der Woche in die Schule. Die Regeln für den Umgang mit dem Schulhund werden mit den Schülern vorher besprochen bzw. hängen aus. In der Klasse hängt ein auf den Unterricht bezogener Regelkatalog (Regeln für den Umgang mit Jay). Jay begleitet mich in der Regel in den Unterricht meiner Klassen. Jay tritt stets im Team mit mir auf und ist ständig unter meiner Aufsicht.

Während des Unterrichts bewegt sich Jay in der Regel frei in der Klasse. Man darf ihn aber nicht zu sich rufen. Er entscheidet, zu wem er geht und kann sich auch hinlegen. Die Schüler dürfen Jay während der Stunde streicheln, wenn er kommt. Die Anwesenheit des Hundes im Klassenraum muss von jedem toleriert werden, der direkte Kontakt ist aber auf völlig freiwilliger Basis. Ein Schüler kann den Hund auch ignorieren oder aber ruhig wegschicken.

Übertreten die Schüler die vereinbarten Regeln, wird der Hund sofort geschützt und das bedeutet aus der Klasse entfernt. Regeln zum Umgang mit dem Hund werden nicht diskutiert und sind nicht verhandelbar. Auch werden die Schüler nicht zurechtgewiesen, sie erfahren einfach die Konsequenz ihres Handelns. Die daraus resultierende ruhige Lernatmosphäre wird von Schüler- und Lehrerseite als positiv erlebt und hoffentlich auf die Folgestunden übertragen.

Rechtliche Fragen

Die Gesundheit und Unbedenklichkeit von Jay wird von einem Tierarzt schriftlich bescheinigt. Ferner liegt eine Haftpflichtversicherung vor, sodass eventuelle Ansprüche, die aus der Hundehaltung entstehen, damit versicherungstechnisch abgedeckt sind. Die geforderten Hygienebestimmungen und das Tierschutzgesetz werden eingehalten. In der Klasse wird es die Möglichkeit geben, sich nach Hundekontakt die Hände zu waschen (die Schüler werden auch diesbezüglich aufgeklärt und immer wieder darauf hingewiesen).

Bedenken

Eine eventuelle Angst vor Aggressionen und Beißunfällen ist unbegründet (siehe Rasse, Voraussetzungen sowie Ausbildung). Einzelne Schüler haben dennoch Angst vor Hunden. Durch die freundliche Ausstrahlung und die Sanftheit eines geschulten Hundes kann es aber gelingen, diese Angst zu vermindern und einen natürlichen Umgang mit Hunden zu erlernen. Die Vermittlung von „Hundesprache“ im Schulhundprojekt hilft auch im Alltag beim richtigen Umgang mit fremden Hunden.

Gerne biete ich auch gezielte Übungen zum Hundekontakt bei ängstlichen Kindern an. Sollte ihr Kind eine Hundephobie haben, sprechen Sie mich bitte im Vorfeld an.

In der Fachliteratur lässt sich nachlesen, dass hundespezifische Allergien (also allergische Reaktionen auf die Allergene Can f1 bis f3) beim Schulhundeinsatz eher eine untergeordnete Rolle spielen. Diese wirken sich bei Betroffenen nur aus, wenn sich die Haare in Teppichen festsetzen oder wenn der Hund dauerhaft im gleichen Zimmer schläft. In der Schule reicht der Zeitraum nicht aus, um allergische Reaktionen im Kontakt mit Schülern auszulösen. Sollten Sie gleichwohl Bedenken haben, sprechen Sie mich gerne persönlich an.

Viele Grüße Michaela Riek & Jay

 

[1] https://www.schulhundweb.de/index.php?title=Hauptseite

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